Das ärgert mich!

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Vor einiger Zeit, es war kurz nach Start dieses Blogs, bat mich meine Freundin Lucia, künftig weniger über die Yogatheorie zu schreiben. Stattdessen sollte ich öfter über eigene Erlebnisse errichten. Am Anfang habe ich diese Kritik nicht so konstruktiv aufgefasst, heute bin ich ihr dankbar – ich werde älter ;-). Und Yogabücher gibt es wirklich in großer Zahl!

In diesem Artikel möchte ich über Illusionen und Emotionen schreiben, über authentisches Verhalten, lebenslanges Lernen und den spirituellen Weg.

Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens unterschiedliche Dinge. Je nachdem, ob die Erfahrungen in unserem Kopf mit dem Stempel „gut“ oder „schlecht“ abgespeichert werden, fühlen sich die zugehörigen Emotionen auch unterschiedlich an. Zeitweise versehe ich Menschen, Handlungen und Situationen gedanklich so schnell mit einem Stempel, dass ich mir gar nicht darüber bewusst bin. Dieses permanente Bewerten ist nicht nur kraftraubend, sondern auch noch sinnlos. Die Bewertung erfolgt aus Prägungen der Vergangenheit, welche zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr aktuell sind (der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte) und macht uns unfähig dafür, eine einzige konkrete Aktion zunächst vorurteilslos zu betrachten. Wir kramen stets Vergangenes hervor, es scheint geradezu, als ob unser Ego sich daran laben möchte. Hinzu kommt: wenn wir dann den Stempel geben, haben wir einen Widerstand zwischen uns und meist einem anderen Menschen erzeugt. Zu allem Überfluss kreisen wir in Gedanken fast permanent um Vergangenheit oder Zukunft und versagen es uns, im aktuellen Moment wachsam zu lauschen und uns diesem Moment hinzugeben. Zuhören und da sein – das ist, was ich persönlich üben möchte!! Weniger egoaufpolierende Ratschläge geben – der andere Mensch hat sowieso ganz andere Wünsche und Bedürfnisse! Einem jeden Menschen wohnt eine Intelligenz innen, die uns richtige Hinweise gibt, sofern wir sie nicht betäuben. Und meine Geschichte mit allen schönen und auch mal weniger schönen Erlebnissen ruhen zu lassen, das ist ein Vorsatz.

Dies mental und mit Hilfe des Verstandes zu erkennen, war für mich nie schwer. Das Ganze jedoch immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, hingegen sehr! Wie oft habe ich mich in den vergangenen Jahren für besonders klug, besonders spirituell oder „weit gekommen“ gehalten, nur um nach einem handfesten Streit wieder zu merken, wie unbewusst ich manchmal bin. Der Grad an Frieden, den du in dir spürst, zeigt dir, wie bewusst du bist!

Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich immer „gut“ und „gut gelaunt“ sein wollte. Tatsächlich sah es aber oft auch anders in mir aus. Wut, Trauer und ähnliche Emotionen habe ich viele Jahre nicht zugelassen, weil ich sie für „schlecht“ hielt. Tatsächlich ist es nicht immer damit getan, bei einem negativen Gedanken einfach einen positiven Gedanken zu wiederholen. Das mag manchmal helfen, Tiefsitzendes ist aber hartnäckiger! Zum Einen hilft mir der mit dem Intellekt zu verstehende Gedanke „ich möchte mich nicht mit meinen Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen identifizieren“, zum anderen ist es im entscheidenden Moment wichtig, auch solche Emotionen zuzulassen, ohne sich weiter darin zu verstricken. Beobachtend quasi. Oftmals verschwinden sie dann von alleine. Wenn dies nicht der Fall ist, ist ein neutraler Dritter oftmals ein guter Berater, da er/sie eine Vogelperspektive bietet und uns aus dem Gedankenlabyrinth befreit. Durch Atem- oder Körperübungen oder einer Therapie. Diese dient auch der Bewusstwerdung!

Jeder Mensch hat Sorgen und Ängste, jeder Mensch erlebt Verlust, Abhängigkeiten, Stress, und und und. Anstatt sich selbst immer wieder an diesen Themen entlang zu hangeln, hat jeder die Möglichkeit, sich auf eine Sinnsuche zu begeben. Wer bin ich, wo komme ich her, was sind die Handlungen und vor allem wer sind die Menschen, die mich glücklich machen? Stets im Hinterkopf zu behalten, dass alles (wirklich alles) vergänglich ist!! Auch für Wutanfälle oder Traurigkeit kann es helfen zu verstehen, dass du nicht das Beobachtete bist, sondern der Beobachter. Wirklich freier wirst du aber erst, wenn du auch alle deine – in deiner aktuellen Bewertung negativen – schwarzen Flecken bewusst anschaust und zulässt. Dann stellst du fest, dass die meisten deiner Emotionen oder Gedanken nicht von langer Dauer sind. Schwuppdiwupp stehen die nächsten Gefühle vor der Tür, kurz darauf weitere Gedanken. Du bist nicht das Gefühl und du bist nicht der Gedanke!! Und: love it – leave it or change it! Tu alles, was in deiner Macht steht, um eine Situation zu ändern, wenn sie dir nicht gut tut. Es gibt energielose Zeit und das Leben verläuft in Hochphasen und Tiefphasen. Aber in jeder Phase sammelst du neue Erkenntnisse!

Ich freue mich hiermit auf lebenslanges Üben. Anschauen, akzeptieren, verbinden, loslassen – das Ganze hoch unendlich und bis in alle Zeit.
Bei mir persönlich kochen die Gefühle bei der aktuellen Situation in und um die Asylbewerberheime, den teils herzlosen Mitmenschen, mein Magen zieht sich zusammen, wenn ich von der Gewalt höre und lese … trotzdem möchte ich diese – meine – Energie lieber damit verbringen, tatsächlich etwas Gutes in der Welt zu bewirken! Wenn ich die entstehende Angst und Wut beobachte, wird mir klar, wie heftig mein Körper auf solche Gedanken reagiert. Dann bekomme ich leichter Abstand und kann mit vereinten Kräften und „klarem Kopf“ nächste Schritte überlegen.

Lasst uns gemeinsam, jeder für sich, die Strukturen des Ego entdecken und so oft wir können im Moment sein, dass automatisch ganz positive Dinge entstehen werden und weniger Streit untereinander. Gute Nacht!

Sivani Carolin

Mein Name ist Sivani Carolin. Ich übe und unterrichte Yoga und Meditation. Mit diesem Blog möchte ich dich inspirieren, tiefer in die Yogapraxis einzusteigen. Viel Vergnügen!

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