Guru Guru Guru….

IMG_2093

Das Wort Guru wird mit äußerst unterschiedlichen Empfindungen und Berichten aus der Vergangenheit in Verbindung gebracht.
Zunächst ist also interessant, was du für einen Bezug zu dem Wort hast. Nimm dir einen Moment Zeit und frage dich: wird es dir mulmig oder belächelst du den Begriff? Hattest du schon einmal einen Guru oder wurde dir von Freunden etwas berichtet? Hast du Filme hierzu gesehen? Wenn du schon länger Yoga übst, frage dich, ob es einen Unterschied zwischen dir und dem Guru gibt. Stellst du ihn auf eine Stufe über dich?

Bevor ich mit Yoga zu tun hatte, stand ich dem Ausdruck sehr kritisch gegenüber und auch heute meine ich, es ist nicht alles Gold, was glänzt. Ist da ein Mensch, der nur Rolls Royce sammelt und Geld von mir möchte? Oder handelt es sich um einen weisen Lehrer? Wie kann ich unterscheiden? Vielleicht hast du dich das auch schon oft gefragt. Im Übrigen sind hiervon nicht nur Yogaübende sondern neugierige Menschen alles Altersklassen angesprochen, die von anderen etwas lernen möchten!

Seit ich in 2006 mit Yoga angefangen habe, sind mir viele Menschen begegnet. Manche hatten gute Absichten, andere handelten sehr selbstsüchtig. Wenn ich also eine neue Person kennen gelernt habe, war es mir wichtig auf verschiedene Dinge zu achten. Zunächst meine Intuition. Was sagt mein Gefühl? Möchte die Person Macht über mich ausüben oder fördert sie mich in meiner Entwicklung?
Ein guter Lehrer ist für mich unter anderem daran zu erkennen, dass er seinen Schülern nicht die Verantwortung abnimmt und zwar für jegliche Handlungen! Auch im Freundeskreis tut man gut daran, eher Fragen zu stellen (was meinst du, was für dich der richtige Weg ist?), als für andere eine Entscheidung zu treffen. Jeder Mensch hat Verantwortung und kann diese auf eine moralisch einwandfreie Weise nutzen. Hierzu ist Unterscheidungskraft – im Yoga: Viveka – erforderlich.

Was ist gut, was böse? Ich verfahre nach dem Grundsatz: was ich nicht will, dass man mir tu, das füg‘ ich keinem and’ren zu. So kann jeder sich genau befragen. Natürlich ist es bequemer, schnell mal eine Freundin oder den Partner um Rat zu bitten. Aber was ist das Ergebnis dieser Befragung? Wenn ich meine Handlung darauf einstelle, bin ich später nicht „schuld“, wenn alles anders verläuft, als ich es mir vorgestellt hatte. So funktioniert das Leben aber nicht, bzw. wird es früher oder später zu Konflikten kommen. Weil die eigenen Gedanken und Gefühle nicht mit den Handlungen übereinstimmen. Wir müssen in jedem Moment Entscheidungen treffen, mal mit geringeren und mal mit weitreichenden Konsequenzen. Nur wenn wir diese Entscheidungen eigenverantwortlich treffen, gewinnen wir an menschlicher Reife. In einem Gespräch Argumente auszutauschen, steht dem übrigens nicht entgegen. Es ist also durchaus sinnvoll, sich gegenseitig zu besprechen und sich gegenseitig neue Perspektiven aufzuzeigen. Aber die letztlich darauf folgende Handlung, die sollte ich stets selbst wollen und sie sollte aus mir entstanden sein. Mit jeder eigenen Entscheidung gewinne ich an Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und bekomme ein besseres Gefühl dem Leben gegenüber. Ich weiß, dass es mal leichter und mal schwieriger wird, aber dass ich die Lösungen stets in mir trage. Diese Vorgehensweise erfordert Mut und Tatkraft. Und sie macht uns in dem Sinne frei, als dass wir den Gedankenwirrwarr nicht noch zehnmal in unserem Kopf zermalmen, bis wir völlig energielos sind. Psychische Erkrankungen sind immer gesondert zu betrachten und in einem solchen Fall ist es durchaus angezeigt, sich ärztlich beraten zu lassen.

Ich persönlich halte es weiterhin für wichtig, dass der Lehrer ein freundliches Wesen hat und gerne mit Menschen umgeht. Sicher kann man von allen Menschen etwas lernen, aber die eigene Lernbereitschaft wird durch Offenheit verstärkt und eine gewisse Art der Offenheit oder auch Hingabe entwickelt jeder Mensch leichter, wenn ein netter Mensch etwas zu einem spannenden Thema berichtet. Ein echter Guru ist zudem an einem Fortschritt des Schülers interessiert und gibt sein Wissen gerne weiter. An dieser Stelle erinnere ich an indische Yogis, die das Yogawissen verschriftlicht und in viele Sprachen übersetzt haben, um es auch anderen Menschen zugänglich zu machen.

Für mich gibt es lediglich einen Unterschied zwischen „echten“ Gurus und allen anderen Menschen. Einer Person, die sich als erleuchtet bezeichnet, sind bestimmte Zusammenhänge bewusster, als den anderen Menschen. Jeder Mensch kann sich diese Zusammenhänge aber selbst bewusst machen und zwar in jedem Moment. Eine sehr unmittelbare Methode ist die Meditation. Meditation lässt uns beobachten, wie der Geist funktioniert. Lässt uns Einheit spüren und schenkt gleichzeitig die Erkenntnis, dass Gedanken, Gefühle und Bilder eine geringe Halbwertszeit haben. Zeigt, wie sehr wir in unserem Alltag mit Gedanken und Emotionen identifiziert sind und uns dadurch lenken lassen. Wenn die Ausübung der Meditation oder bestimmte Erlebnisse Fragen aufwirft, dann empfiehlt es sich mit einer Person zu sprechen, die selbst schon einige Jahre Erfahrung beim Meditieren hat und der du vertraust.

Außerdem hilft es, sich permanent und aufrichtig zu beobachten und selbst zu erforschen, woher entstehender Unmut kommt. Habe ich gerade über Vergangenheit oder Zukunft nachgedacht? Weder Vergangenheit noch Zukunft sind in diesem Moment existent. Deshalb ist das Wort „Achtsamkeit“ in den letzten Jahrzehnten zu Recht immer populärer geworden. Durch die Konzentration auf den Moment entfallen überflüssige gedankliche Konstrukte. Damit ist nicht gemeint, ein weltfremdes Leben zu führen, aber es führt zu einer größeren Akzeptanz von Dingen, die von mir nicht zu ändern sind (wie beispielsweise die Trennung von sehr lieben Freunden oder der Tod eines Angehörigen, oder oder oder). Ich halte es übrigens auch für sinnvoll, mit negativen Emotionen zuerst einmal selbst umzugehen, genauso eigenverantwortlich, wie weiter oben zu den Entscheidungen beschrieben. Dazu ist nicht immer erforderlich zu fragen, wo die Emotion herkommt. Manchmal reicht auch schon die bloße Beobachtung und tiefe Bauchatmung, bis ein ausgeglichenes Gefühl wieder hergestellt ist. Schließlich geht alles im Leben vorbei – dazu gehört auch die schlechte Laune oder Traurigkeit. Indem du dich fragst, ob du einer Situation auch etwas Positives abgewinnen kannst, wirst du außerdem gleichmütiger.

Für mich gibt es keine Musterantwort: Guru ja oder Guru nein. Die Hingabe eines Schülers zu seinem Lehrer kann, wenn der Lehrer ein erfahrener, guter Lehrer ist, der moralisch einwandfrei agiert – einen schnelleren und intensiveren Lernprozess in Gang setzen. Einen Berater zu haben, den man in allen spirituellen Belangen befragen kann, ist sehr wertvoll. Andererseits solltest Du niemals deine Intuition vergessen, denn wir bekommen meist schon alle Antworten, wenn wir nur intensiv und aufrichtig danach fragen und es sich nicht um theoretisches Wissen handelt. Lausche künftig mal öfter auf deine innere Stimme, wenn du vor einer Entscheidung stehst!

Der Film „Kumare“, den mir eine Freundin kürzlich empfahl, zeigt ganz eindrucksvoll, was mit Menschen passiert, die einem anderen Menschen ihr Herz öffnen. Und welches Potenzial in jedem Menschen steckt. Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=f9ETeuMVrQg. Habt viel Vergnügen beim Gucken und Lesen und begebt euch auf Selbstforschung, die richtigen Antworten kommen bestimmt!

Zur weiteren Lektüre empfehle ich gerne „Jetzt“ von Eckhart Tolle oder „Einbruch in die Freiheit“ von Jiddu Krishnamurti. Es gibt noch zahlreiche andere vertiefende Bücher zum Thema, bei Interesse bitte einen kurzen Kommentar. Und natürlich auch gerne zu allen anderen Punkten – gute wie schlechte Erfahrungen mit Gurus.

Sivani Carolin

Mein Name ist Sivani Carolin. Ich übe und unterrichte Yoga und Meditation. Mit diesem Blog möchte ich dich inspirieren, tiefer in die Yogapraxis einzusteigen. Viel Vergnügen!

Schreib einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.