Yoga und der Schweinehund – oder wie Leela Spaß macht

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Kann der „Ich-wär-jetzt-gern-lieber-im-Freibad-oder-auf-der-Couch“-Schweinehundgedanke durch eine regelmäßige Yogapraxis überlistet bzw. in den Hintergrund gerückt werden? Ich bin der festen Überzeugung, dass dies möglich ist. Und zwar dann, wenn wir den positiven Nutzen erkennen und zugleich spüren. Handeln, statt denken!

Was bedeutet regelmäßig?

Zunächst ist wichtig zu betrachten, ob du selbst in Balance mit dir, deinen Aufgaben und deinem Umfeld bist. Sollte dies der Fall sein, wirst du weniger Schwierigkeiten haben, regelmäßig zu Praktizieren. Andernfalls ist es umso wichtiger, sich eine Säule zu errichten, bei welcher du zurück zu dir findest! Und was heißt regelmäßig? Für den Anfang ist es sicher gut, einmal wöchentlich zu üben. Wenn du erste Auswirkungen spürst, erwächst ohnehin der Wunsch, die Übungen zu vertiefen und Yoga gewinnt vielleicht eine wichtigere Bedeutung in deinem Leben. Als ich Yoga für mich entdeckte, war ich direkt Feuer und Flamme, übte jeden Tag und räumte dem neuen Thema einen großen Platz in meinem Leben ein. Diese Vorgehensweise stieß nicht immer auf Verständnis. So versuche, dein Umfeld möglichst durch gezielte Kommunikation einzubeziehen und fühle dich nicht überlegen, nur weil du jetzt Yoga übst. Sicher tust du vielleicht mehr für deinen Körper, aber sobald du darüber nachdenkst, besser als andere zu sein (bewusster zu leben, achtsamer mit dir, vegetarischer, etc.) – hast du geistig und seelisch genau das Gegenteil bewirkt: Trennung, anstelle von Verbindung. Die Übersetzung des Wortes Yoga bedeutet nämlich unter anderem Verbindung. Und vermeide es am besten auch, andere missionieren zu wollen. Nicht jeder muss Asanas praktizieren, manche Menschen finden eine ähnliche Erfüllung im Tanz, Thai-Chi, Qigong oder Ähnlichem. Mit Hilfe deiner Intuition wirst automatisch herausfinden, was Dir gut tut – einzig einen Moment der Stille solltest du finden, um auf deine Bedürfnisse zu hören!

Wie sieht das Praktizieren genau aus?

Wie bei sämtlichen Freizeitbeschäftigungen müssen wir uns immer wieder aktiv fragen, welche Prioritäten wir setzen möchten. Tun wir jetzt lieber etwas für Körper, Geist und Seele – oder haben wir andere Dinge zu erledigen (Pflege kranker Angehöriger, Haushaltsarbeiten oder das Lernen im Studium, etc.). Im Grunde ist das gesamte Leben Yoga – philosophisch betrachtet sind wir das reine Bewusstsein, welches sich immer wieder in Irrungen und Wirrungen (Leela, das göttliche Spiel) verstrickt – das sind die Hochs und Tiefs – und von diesem Aspekt her betrachtet können wir alles, was wir tun, solange es keinem anderen schadet, als Yogaübung betrachten, denn wir sind ja sowieso schon das Bewusstsein und mehr können wir gar nicht mehr werden . Nur das Erkennen ist eben wichtig und hierbei hilft Yoga. Das Bewusstsein möchte sich verstricken, so wie wir Menschen uns mit unzähligen Handlungen immer wieder von unserem Kern ablenken und uns mit Wolken umhüllen. So ist beispielsweise bei der Erziehung eines Kindes zunächst so viel Zeit erforderlich, dass mehrstündige Pranayamasitzungen zunächst einmal einige Woche verschoben werden müssen.

Yoga bedeutet in diesem Zusammenhang, die für dich wichtigen Aufgaben des Lebens herauszufinden und diese bestmöglich zu erfüllen. Und klar: es wird Zeiten geben, da wirst du nicht so häufig üben können, wie du es dir wünschst. Nutze diese Zeiten für andere Yoga-Übungen wie das Lesen eines inspirierenden Buches oder das absichtslose Handeln bei der Mithilfe eines Freundes beim Umzug, die tiefe Bauchatmung, wenn du eine schwierige Diskussion mit deinem Partner hast oder das Mantrasingen im Stau. In meinen Augen sollte die Menschlichkeit stets allem voran gehen und kein einziges Asana hilft etwas, wenn du die Menschheit im Grunde für schlecht hälst, dumm oder egoistisch handelst.
Natürlich stehen am Anfang der meisten Yogaübungen die Asanas, Yogastellungen. Mit der Zeit kommen Pranayama und Meditation hinzu und irgendwann gilt es dann aber auch, alles in den Alltag zu integrieren und Handlungen wie Spülen, Bügeln oder die schwäbische Kehrwoche in einem neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Ihnen eine neue Beudetung beizumessen, in dem wir uns sagen: auch jetzt übe ich Yoga.

In diesem Bewusstsein ist es dann auch nicht jeden Tag erforderlich, auf der Matte zu sein, wenngleich der Körper natürlich davon profitiert, sofern wir uns nicht überanstrengen. Pausen dürfen und müssen sein, falscher Stolz ist völlig fehl am Platz. Diese Balance zu finden, aus Anspannung und Entspannung, war in meinen ersten Yogajahren nicht leicht. Ich hatte oftmals Rückenschmerzen, weil ich es mit dem Übungen völlig übertrieben habe und habe trotzdem starrköpfig weiter gemacht. Bis ich eine Verletzung an der Oberschenkelrückseite hatte, die monatelang nicht verschwand. Dies zwang mich zu einer Pause bei bestimmten Übungen, doch war es geistig ein großer Fortschritt. Ein wenig Stolz und Sturheit sind ein bisschen kleiner geworden.
Also macht Yoga auch authentischer!

Yoga in seinen verschiedenen Formen bewirkt so viel Positives – probiere es selbst aus und spüre, wie du deinen Körper besser kennen lernst (durch Asanas), deinen Geist beruhigen kannst (durch Atemübungen), Frieden in dir spürst (nicht durch Konsum) und vertiefe dein Wissen step by step. Du wirst herausfinden, dass dir manche Übungen liegen und andere eher weniger – es gibt die Möglichkeit, sich auf einen Weg des integralen Yoga zu spezialisieren – meine persönliche Empfehlung lautet aber stets dahingehend, integral zu üben, um möglichst viele Aspekte der Persönlichkeit zu schulen.

Viele Spaß dabei und mögest du von Erkenntnissen überschüttet werden 😀

Sivani Carolin

Mein Name ist Sivani Carolin. Ich übe und unterrichte Yoga und Meditation. Mit diesem Blog möchte ich dich inspirieren, tiefer in die Yogapraxis einzusteigen. Viel Vergnügen!

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