Was sind die Kleshas?

2013-08-01 19.47.28

Klesha | क्लेश | kleśa | (m.) – (1) leidvoller Zustand im Sinne von: Schmerz; Leid (2) leidvoller Zustand im Sinne von: Leid verursachender Zustand; Ursache für Leid (3) Hindernis, Last

Quelle: http://purna-yoga.eu/glossar/k/

Patanjali, ein Weiser des Yoga, schrieb im 2. Jahrhundert v. Chr.in seinen Yoga Sutras über fünf Leid verursachende Zustände:

  • Avidya – Unwissenheit, Nicht-Wissen
  • Asmita – Egoismus, Identifikation
  • Raga – Mögen, Wunsch
  • Dvesha – Nichtmögen, Abneigungen
  • Abhinivesha – Angst vor dem Tod, jegliche Anhaftung

Zunächst beschreibt Patanjali, dass Avidya,Unwissenheit, also das erste Klesha, die Ursache aller anderen Kleshas bildet. Avidya sorgt dafür, dass wir alles Vergängliche nicht als Solches erkennen. Deswegen ist es gut, sich stetig in Unterscheidungskraft, Viveka, zu üben.

Asmita, die Identifikation, ist dafür verantwortlich, dass wir uns mit Gegenstände und Personen identifizieren, nur um anschließend festzustellen, dass uns dies nicht dauerhaft glücklich macht. Sobald wir uns  beispielsweise zu stark mit einem Gegenstand identifizieren, leiden wir, wenn er beschädigt oder gestohlen wurde. Stelle dir vor, jemand lässt dein Handy in einen Fluss fallen – wie ist deine Reaktion? In diesem Fall denke daran: du bist nicht dein Handy :) Wenn wir uns zu diesem Punkt beobachten, stellen wir fest, wie sehr wir uns im täglichen Leben mit allem Möglichen identifizieren.

Nummer drei im Bunde, Raga, das Mögen, erscheint zunächst nicht als hinderlich – wir denken, wenn wir etwas mögen, ist es doch gut. Aber auch „Mögen“ schafft Anhaftung und das Handy-Beispiel passt auch für dieses Klesha. Gerade beim Yoga-Üben kann man sich Raga als Hindernis gut bewusst machen. Angenommen du übst täglich Hatha Yoga, hast dir nun aber ein Bein gebrochen und kannst nicht mehr so üben, wie zuvor. Dann ist das eine tolle Übung, den Geist in Geduld zu schulen. Wenn es dir also schlecht geht, weil du gerade kein Hatha Yoga üben kannst, übe dich in der Überwindung von Raga und entspanne, meditiere, lese, singe! Also Vorsicht vor zu starker Liebe zu allen Vergnügungen und zu starken Wünschen. Wenn man etwas besonders will, dann passiert es meistens nicht, weil man es eben zu sehr „mag“.

Dvesha, das Nichtmögen, führt zu Widerständen und Ablehnung . Widerstände schaffen Trennung und Barrieren, deswegen sind sie nicht förderlich, wenn wir Einheit erfahren wollen. Finde heraus, welche Dinge, Umstände, Personen du weswegen nicht magst und überwinde. Meine erste Überwindung fand vor langer Zeit statt, als ich begann, Spinnen aus der Wohnung in die Freiheit zu entlassen, vor welchen ich früher Angst hatte. Die größte Aufgabe ist wohl aber der Umgang mit Menschen, die wir – aus welchen Gründen auch immer – zunächst nicht sympathisch finden möchten.

Abhinivesha, die Angst vor dem Tod, ist ein sehr interessantes Klesha. Wenn wir hierüber nachdenken, bringen wir uns mit ureigenen Ängsten, nicht nur der Angst vor der Vergänglichkeit in Kontakt und lernen, wie sehr uns  Ängste möglicherweise beherrschen. Den Willen, leben zu wollen, habe ich tagelang bei meinem Opa beobachten können, selbst als der Sterbeprozess schon begonnen hatte. Die Furcht vor dem Tod macht, dass wir den Körper nicht verlieren wollen, so führt sie dazu, dass wir uns stark mit dem Körper identifizieren. Wenn unser Körper krank ist, sagen wir „ich bin krank“, oder „ich bin XYZ“ – und schwupps ist die Identifikation geschehen. So ist es gut,  immer wieder innezuhalten und sich bewusst zu machen, dass der Körper nicht unendlich lange auf der Erde verweilen wird.

Um die Kleshas zu überwinden, empfiehlt Patanjali die Ausübung von Tapas, Svadhyaya und Ishvarapranidhana, dies wird Kriya Yoga genannt (siehe Artikel über die Ashtangas: Link). Durch die Überwindung der Kleshas gelangst du zu tiefer Erkenntnis der Einheit alles Dinge und fühlst dich frei. In den meisten Fällen zieht sich die Übung über viele Jahre und immer wenn wir denken, „ah, ist ja klar, das weiß ich schon lange“, kommt kurze Zeit später eine „Generalüberholung“ unserer Gedanken und wir erkennen, dass wir uns gerade erneut in Illusionen verstrickt haben. So kann die eigene Klesha-Erforschung für uns ein bedeutender Meilenstein im Hinblick auf die Selbsterkenntnis bilden. Vielleicht merkst du, welche Kleshas bei dir vorherrschend sind, beobachte dies und löse dich Stück für Stück von alten Mustern und Identifikationen.

Buchtipps:

Kommentar von Sukadev Bretz zu den Raja Yoga Sutras „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“,, dort insbesondere die Seiten  93 – 107 sowie das Buch „Die Wissenschaft des Yoga“ von I.K. Taimni, ebenfalls ein Kommentar zu Patanjalis Werk, dort die Seiten 129-154.

Ich schließe mit einer Sutre von Patanjali:

Heyam dukham anagatam – Künftiges Leid soll vermieden werden.

Du hast jeden Tag auf neues die Chance, dich auch im Hinblick auf die Kleshas zu beobachten –wähle und nutze diese Zeit ganz bewusst!

Sivani Carolin

Mein Name ist Sivani Carolin. Ich übe und unterrichte Yoga und Meditation. Mit diesem Blog möchte ich dich inspirieren, tiefer in die Yogapraxis einzusteigen. Viel Vergnügen!

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